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4 praktische Tipps für Übungen zur Teamentwicklung

von Theresa zum Felde

Immer wieder werde ich im Coaching gefragt: „Wie können wir mit den heutigen Jugendlichen in der beruflichen Ausbildung umgehen, um ihre Teamfähigkeit zu verbessern?“ Einerseits freut mich das Interesse und zeigt, dass sich die Personen viele engagierte Gedanken über das Teambuilding machen. Andererseits beschreibt diese Frage auch eine Realität, die sehr zum Nachdenken anregt. Aus diesem Grund möchte ich Ihnen ein paar meiner Erfahrungen weitergeben.

Andere Generationen, andere Werte

Ich gehöre zu der Generation der „Babyboomer“. Als ich 1978 in Hamburg meine Lehre als Feinmechaniker begann, war es der entscheidende Schritt von der Schulzeit in die Erwachsenenwelt. Mein cholerischer Meister herrschte täglich in seiner Werkstatt und ich hatte zu gehorchen. Widerworte oder Beschwerden wurden nicht geduldet! Aber wem nützen heute diese Erfahrungen, die wohl viele Menschen früherer Generationen gemacht haben? Heute ist alles anders und die Jugendlichen der Generation Z sind auch anders. Ich sage bewusst „anders“ und verzichte auf Wertungen.

Erfahrungen aus meinen Trainings – probieren Sie es mit Ihren Azubis

In meinen Trainings erlebe ich viele interessante Entwicklungen und Einstellungen zum Thema Teambuilding. Jedes Teammitglied beginnt mit Warming Up´s, zum Beispiel Gehirntraining mit Bewegung. Meine Teilnehmer sind total begeistert von Lifekinetik-Übungen und ich bin es auch. Diese Übungen sind hervorragend für beinahe jede Altersgruppe geeignet, machen sehr viel Spaß und bilden schnell eine geniale Arbeitsatmosphäre. Das bestätigen mir auch meine Seminarteilnehmer – generationsübergreifend. Für die Übungen braucht die Gruppe kein sportliches Talent. Lust auf neue Erfahrungen und auf leichte Bewegungen genügen. Danach sind alle Teammitglieder wacher und aufnahmefähiger.

Eine lockere und vertraute Atmosphäre ist wichtig. Erst wenn diese spürbar ist, führe ich Übungen zum Teambuilding durch. Die Prozesse stehen hierbei im Vordergrund und nicht die Ergebnisse. Diese Prozesse verlaufen sehr unterschiedlich und bedürfen einer individuellen Auswertung und Reflexion. Ich führe jedes Team bewusst an seine Grenzen heran und spreche hier von einem „angemessenen Scheitern“, zum Beispiel beim Bau von

  • „Leonardos Brücke“ dem
  • Turmbau“ oder auch
  • Systeaming

Nachfolgenden gebe ich Ihnen grundlegende Tipps für Übungen zur Teamentwicklung.

#1 Übungen zur Teamentwicklung: Emotionen sind willkommen

Einige Gruppen scheitern und schaffen die Teamaufgaben nicht vollständig. Sie geben enttäuscht auf oder sind frustriert. Ursachen werden oft bei den anderen verortet. Andere Gruppen schaffen es nach einigen Versuchen, weil sie nicht aufgeben wollen. In beiden Fällen ist die Reflexion besonders wichtig und verspricht ein großes Nachhaltigkeitspotenzial. Die erlebten Prozesse werden multisensorisch erfasst, weil der gesamte Körper im Einsatz ist – nicht nur der Kopf. So werden mehrere Sinne gleichzeitig angesprochen und ehrliche Grundemotionen ausgelöst, wie Ärger oder Wut, Freude, Scham, Traurigkeit oder Überraschung. Emotionen helfen, die Erlebnisse des Lernprozesses im Langzeitgedächtnis zu verankern.

Diese erfahrungs- und handlungsorientierten Teambildungsprozesse sollten in die betriebliche und schulische Ausbildung integriert werden, wo immer es möglich ist. Die Teilnehmer sind dankbar für die praktischen Übungen und erleben sich in der sozialen Interaktion als Bestandteil eines Teams. In einigen Gruppen ist der Umgang miteinander von Beginn an wertschätzend und es wird konstruktiv kommuniziert. Jeder kann sich gleichberechtigt einbringen. Wenn die Gruppenprozesse anfänglich holprig verlaufen, wird das inhaltlich thematisiert und hinterfragt. Erst wenn sich jeder wohl- und angenommen fühlt, findet Teambuilding statt.

#2 Übungen zur Teamentwicklung: Achtsamkeit bei der Wortwahl

„Das habe ich alles bereits erklärt.“ „Das ist falsch.“ „So geht das nicht.“ „Immer kommen Sie im unpassenden Moment.“ „Jetzt müssen Sie erst einmal warten.“ Die ersten drei Sätze reichen bereits, um Ihre Auszubildenden zu demotivieren. Sie enthalten negative Sprache und Reizwörter, die im Austausch beider Gesprächspartner von oben herab wirken. Selbst wenn Ihre Auszubildenden einsehen, was Sie von der Sache halten, bleibt ein unzufriedenes Gefühl mit sich und der Situation. Worte können emotional verletzten, und das aus reiner Unachtsamkeit und ohne Vorsatz.

Die Arbeit im Team sollte deshalb langfristig von einer positiven und motivierenden Sprache und einem gelassenen, ruhigen Tonfall geprägt sein. Wer könnte besser darauf achten und es vorleben als Sie? Versetzen Sie sich in die Lage Ihrer Auszubildenden. Alles ist neu: Aufgaben, Menschen, Hierarchien, Spielregeln, Tagesabläufe. Die meisten Auszubildenden reagieren angepasst und zurückhaltend, andere rebellisch.

In dieser Situation vereinzelt eine negative Formulierung zu hören ist erträglich und konstruktive Kritik zu konkretem Verhalten ist angemessen. Wenn Auszubildende jedoch in Alltagsituationen regelmäßig Sätze hören wie „das ist falsch“, „so kannst du das nicht machen“ oder „das habe ich schon mehrfach erklärt”, werden sie es beim fünften Mal nicht automatisch richtigmachen. Es fühlt sich dadurch auch nicht richtig an, stattdessen sinkt die Motivation. Stresshormone werden produziert, die messbar sind. Worte können treffen, ganz nebenbei.

Mit Achtsamkeit bei der Wortwahl und einem entspannten Tonfall erreichen Sie die Beziehungsebene. Wenn Sie in der Kommunikation mit Ihren Auszubildenden darauf achten, WIE Sie etwas sagen, verbessert es die Zusammenarbeit nachhaltig. Der Ton macht die Musik. Am Ende dieses Beitrags finden Sie eine Checkliste für wertschätzende Kommunikation.

#3 Übungen zur Teamentwicklung: Setzen Sie gezielte Fragen zur Reflexion ein

Bei Teambuilding-Übungen entsteht oft das Bedürfnis, die Erfahrungen innerhalb der Peergroup gemeinsam auszutauschen. Zielführende Reflexionsfragen helfen, den erlebten Prozess zu vertiefen: Wie fühlen Sie sich jetzt nach der Übung? Was ließ sich gut lösen? Was kann verbessert werden? Wie zufrieden sind Sie mit dem Arbeitsprozess, den Absprachen, den anderen, dem Ergebnis? Diese Fragen werden sehr unterschiedlich beantwortet. Perspektivenvielfalt wird sichtbar: Wie gut hat die Kommunikation untereinander funktioniert? Konnten sich alle beteiligen? Wer fühlt sich übergangen? Welche Überraschungen gab es? Was hat Sie wütend gemacht?

Alle diese Fragen werden aus der Erfahrung der jeweiligen Übung heraus und im geschützten Raum beantwortet. Anschließend werden die Fragen und Antworten in die Lebensrealität der Teilnehmer übertragen. Die jungen Menschen erinnern sich an vergleichbare Situationen sowie Herausforderungen. Viele Teilnehmer fühlen sich regelrecht ermutigt, verinnerlichte Grenzerlebnisse auszusprechen. Die offene Atmosphäre des Teamtrainings schafft Vertrauen dafür. Auch weniger extrovertierte Menschen nehmen in den Reflexionsrunden viele Informationen auf und gleichen sie mit ihren eigenen Erfahrungen ab. So finden neben den offenen Reflexions- auch die so wichtigen Selbstreflexionsprozesse statt.

#4 Übungen zur Teamentwicklung: Stärken Sie Soft Skills

Viele junge Menschen erfahren in der Ausbildung, wie wichtig neben dem fachlichen Können auch Soft Skills sind. Dazu zählen Schlüsselqualifikationen wie Selbstreflexion, Kommunikation und natürlich Teamfähigkeit. Aber was ist, wenn sie diese Fähigkeiten nicht von Haus aus mitbringen? In heutigen Lehr- oder Ausbildungsplänen sind diese Soft Skills gefordert. Wie kann das vermittelt werden? „Klassischer“ Unterricht ist dafür wenig geeignet. Die Entwicklung von Soft Skills ist verbunden mit Erfahrungen und implizierten Vorgängen. Dazu gehören Haltung und Einstellung. Das kann durch erfahrungs- und handlungsorientierte Übungen erlebbar gemacht und gefördert werden. Davon bin ich überzeugt!

Checkliste: Motivierende und wertschätzende Sprache

  1. Verzichten Sie auf den Konjunktiv und Worte wie könnte, sollte, müsste, würde, wäre oder hätte. Formulieren Sie so klar und konkret wie möglich in der Gegenwartsform. Eine aktive Formulierung wie „ich habe“, „ich werde“ oder „ich bin“ überzeugt wirkungsvoller als „ich hätte“, „ich könnte“ oder „ich wäre“.
  2. Streichen Sie aus Ihrer Kommunikation sogenannte Weichmacher. Dazu gehören eigentlich, eventuell, vielleicht, nur, erst einmal und bloß.
  3. Vermeiden Sie Reizwörter wie: aber, trotzdem, dennoch, leider, falsch, Problem. Ersetzen Sie diese durch Ich-Botschaften und Frageformen.
  4. Verwenden Sie eine positive Sprache. Sagen Sie, was Ihnen wichtig ist, zum Beispiel „ich bitte Sie, dass Sie zukünftig darauf achten“ oder „gemeint habe ich Folgendes“. Auf Auszubildende wirken Sätze wie “das ist der falsche Moment, jetzt passt es mir gar nicht, ich bin noch beschäftigt” weniger motivierend. Freundlicher und wertschätzender klingt eine Frage: “Möchten Sie warten, bis ich fertig bin?”
  5. Formulieren Sie Ihre Aussagen und Wünsche zukunftsorientiert. Vergangenes bringt Auszubildende selten weiter. Anstatt „früher habe ich“ oder „hätte ich bloß“ sagen Sie besser „ab sofort achte ich darauf“ und „ich bitte Sie, in Zukunft“. Ersetzen Sie wenn möglich die Wörter „müssen“ und „sollen“ durch „ich werde“, „ich möchte gerne“, „ich bitte Sie“ oder „ich bin Ihnen dankbar, wenn“. Das wirkt positiv, freundlich und motivierend. Mit „sollten” und “müssen“ setzen Sie Auszubildende unter Druck, sie haben mit Zwang und Fremdbestimmung zu tun, man macht etwas unfreiwillig.
  6. Wenn Sie jetzt noch darauf achten, vor wichtigen Aussagen eine Pause zu setzen und die Schlüsselwörter betonen, verbessern Sie neben der positiven Wortwahl auch Ihre Stimmwirkung.
  7. Einmal tief in den Bauch geatmet und Ihr Ton wird ruhiger und entspannter. So werden Sie gelassen und wertschätzend bei jeder Überraschung – die garantiert kommt.

Welche Formen der Teambildung haben Sie schon mit Ihren Azubis ausprobiert? Lassen Sie uns teilhaben und nutzen Sie die Kommentarfunktion oder schreiben uns an uk@bnw.de.

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